Alles auf rot
Eine wahre Explosion. Dass man fünf Monate aufgestauter Geilheit nicht folgenlos in zwei Stunden ablassen kann, hätte ich mir denken können.
Das rote Mountainbike, das ich vor so langer Zeit zu einem Spottpreis von einem Wiener Versicherungsvertreter kaum gebraucht erworben habe, auf dessen Schaltauge-Lieferung ich seit Mai gewartet hatte, kam gestern endlich zum Einsatz.
Ein Masochist, wer so ein vollgefedertes Gerät in sein Zimmer stellt, ohne es benutzen zu können.
Ein Sadist, wer ein Fahrradzubehör-Versandhaus betreibt und die von den Kunden voll Vorfreude bestellte Ware nicht liefert.
Das Adrenalin bis zum Scheitel heizen Besuch Pauli und ich den San Cristobal hinunter. Von Pamplona Vorstadt führen acht Kilometer Straße rauf zu den Funktürmen und der Festung. 500 Höhenmeter. Runter kann man sich zwischen Asphaltschlaglöchern, Schotterwegen, Wanderwegen oder ausgetrockneten Bachbetten austoben. Pauli, der Studienkollege aus Wien, der Zehn-Meter-Brett-Rückwärts-Salto-Mann, der anderthalb-Tage-2500km-Autostopper und angehende Fernfahrer, lässt sich vom Billigbike meines Mitbewohners nicht beeindrucken und wählt die die schonungslose, steinige Bachbett-Variante. Von Bach kann eigentlich keine Rede sein. Rinnsal trifft es besser.
Als dieses auf die Straße mündet, bietet sich hinter einem Weg-Knick eine Gelegenheit für einen Sprung. Pauli will ihn als erstes nehmen, den Sprung. Ich krame mein aus drei Jahren zusammengetragenes BIKE-Magazin-Abonnement-Fahrtechnikwissen hervor und klugscheiße so lange über Landetechnik rum, bis Pauli mir den Vortritt lässt.
Anlauf, Kurve, Sprung, Landung, Beschleunigung, Angst – und alles falsch. Natürlich sollte man in dieser Situation nicht bremsen, natürlich erst recht nicht vorne. Ich werde mit der Gnadenlosigkeit von Physik und ein paar mit Steinen bestückten dornigen Grasbüscheln konfrontiert. Oh, hallo Boden, schön dich zu sehen, einmal linke Seite bitte.
Knöchel, Schienbein, Knie, Oberschenkel, Hüfte, Rippe, Unterarm. Schöne parallele Krustenstriemen auf rosa Haut, blau-gelb-grün umrandet.
Steht mir eigentlich ganz gut.
Der authentische auf-die-Fresse-Style wirkt super auf Frauen und weckt anerkennende Sympathien bei Männern. Einzig die Partyabend-Inkompatiblität widerstrebt mir.
Damenvolleyball in der Glotze ist auch nicht schlecht.
November 9th, 2009 - 01:17
zur Veranschaulichung: http://www.youtube.com/watch?v=a1qRQfbbs8I&NR=1