verzichtsverzicht Bewusst leben in Erasmustan

14Dec/091

Brumm Brumm

Harald Welzer, seines Zeichens erstens Mann und zweitens in den 1950ern geboren, (also, klar, Autofreak), erläutert in einem grandiosen Artikel in der ZEIT seine Beziehung zum Auto. Er spannt den Bogen von den Zwei- und Vierrädern seines Lebens zur Nachkriegsgeschichte der deutschen Mobilität und erklärt plausibel, warum, obwohl man es soviel besser weiß, noch ständig Auto gefahren wird.

"Seit ich mich mit Fragen des Klimawandels beschäftige, steht mir die Notwendigkeit eines radikalen Wandels unseres Lebensstils, und das heißt notwendigerweise auch und vor allem unserer Mobilitätskultur, glasklar vor Augen. In jeder Diskussion komme ich auf die Themen Energie, Emissionen und Mobilität zu sprechen (...)."
"Ich erinnere mich bis heute geradezu körperlich daran, auf dem Tank jener Adler gesessen zu haben und mich am metallisch glatten Lenker festgehalten zu haben, unter mir der vibrierende und lärmende Motor, der Geruch von Zweitaktgemisch, mein älterer Bruder auf dem Schwingsattel hinter meinem Vater. Meine Erinnerung an das Objekt ist weit intensiver als jene an den Vorgang des Fahrens, und wahrscheinlich ist hier die erste Spur jener fetischhaften Objektfixierung zu finden, die bis in meine Garage führt."
(...)
"Es gibt eine mir äußerst plausibel erscheinende Theorie, dass es das Auto und das Kino sind, die in modernen Gesellschaften die höchste Innovationskraft auslösen – beide machen die Loslösung vom Gegebenen möglich, beide erschließen Wunschwelten und Vorstellungsräume."
(...)
"Die Geschichte, die die Aufklärung erzählt, setzt auf der kognitiven und leider auch moralischen Ebene an und hat die wenig überzeugende Botschaft mitzuteilen, dass das Leben zwar weniger lustvoll, aber für künftige Generationen aussichtsreicher wäre, wenn man es veränderte. Deshalb kann man noch so viele Grenzen des Wachstums schreiben und sich wundern, dass die Entwicklung moderner Gesellschaften ihre Richtung nicht wechselt: weil wir uns in einer Geschichte befinden, die uns in den Begriffen von Fortschritt, Wettbewerb und Wachstum konstruiert. Bevor wir etwas gegen diese Geschichte einwenden können, hat sie uns immer schon erzählt."

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  1. zwei lesenswerte artikel: deiner und haralds original. als wär´s von mir, nur mit anderen marken gebrandet. und die komentare in der zeit lassen ahnen, dass sich manch ältere herren gedanken machen, so wie ich auch. danke für den anstoß. auto mo.


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