verzichtsverzicht Bewusst leben in Erasmustan

24Jan/103

Halbzeit

Freitag

Das virtuelle soziale Netzwerk, in dem neben allen anderen Austauschstudenten in zunehmendem Maße auch ich meine reale Zeit verbringe, segnet mich mit Stefanie. Stefanie kommt aus Frankreich. Sie ist eine der neuen Erasmusstudenten, die nur im zweiten Semester hier sind. Ich bin höflich, lade die neue ein, mit den alten auszugehen.
Die alten, heute eine zufällig weiblich dominierte Gruppe, sind schlecht drauf. Es ist durchgesickert, dass von den 30 neuen 24 weiblich sind.
Stefanie redet ununterbrochen. Ihre Euphorie für alles und jeden ist nicht zu bremsen.
Sie ist das Bindeglied zu einer Horde Süditaliener Süditalienerinnen.
Den ganzen Abend bin ich hochkonzentriert. Ich darf nicht auf die drauftreten, sie sind alle so klein.

Samstag

Dreh- und Angelpunkt meines Samstagabends sind die reale Couch und das virtuelle soziale Netzwerk. Fast gebe ich mich der durchdringenden Melancholie von Byte FM's Sendung "Spagat" hin.

Stefanie ruft an.

Nein, ich muss lernen.

Sie ist mit 10 neuen in der Altstadt.

Oh.

Sie ist das Bindeglied zu einer Horde Franzosen Französinnen und Amerikanern Amerikanerinnen. Ich, eigentlich fast ortsunkenntlicher Ausländer, führe die Gruppe an.
Diese eine schrammelige abgefuckt drogige Bar mit der baskischen Zielgruppe und den wummernden Beats, da wollte ich immer schon mal hin.
Ich finde mich zwischen psychedelischen Graffitis und Schwarzlicht, zwischen Rastamännern und Alkoholikern, zwischen tieffliegenden Lüftungsschächten und hochstapelden Rosenverkäufern, zwischen bekifften Schülern und besoffenen älteren Frauen mitten im stehenden Rauch auf der Tanzfläche wieder.
Es besteht kein Zweifel. Das ist schweißtreibend. Meine schwingenden Gliedmaßen zerschneiden den Rauch. Das ist nicht die Rettung des Abends, das ist die Rettung meines zweiten Semesters. Das ist göttlich. Das ist Extase.
Das ist pooca-Musik!

Kommentare (3) Trackbacks (0)
  1. yeah moritz yeah yeah, wie war das mit wien?

  2. Gut, dass du den Blick für das wesentliche nicht verloren hast. Der Club hört sich nach urbanen Ramba-Zamba an, einem Ort an dem der Bär tanzt. Wie heißt er und hast du auch neben der Lautmalerei deiner Worte Fotos zur Hand? Schließlich muss man ja wissen wo man dich findet in Pamplona… ;)

    Viel Glück bei den Prüfungen.

  3. Bar Txukinden
    Calle San Augustin 2
    Casco Viejo
    Pamplona


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