Nur reich oder auch glücklich?
Das BIP ist ein Umsatz-Maßstab, indes kein Maßstab für Lebensqualität. Solange die Leute arm sind, ist natürlich jeder zusätzliche Umsatz ein Gewinn an Lebensqualität. Aber angesichts des Reichtums, den sehr viele von uns haben, hat zusätzlicher Umsatz nichts mehr mit Wohlergehen zu tun. Das heißt, wir brauchen einen besseren Maßstab dafür, was wir wollen. Wir sollten doch nicht nach einer Zielmarke segeln, die vor 100 Jahren richtig war – und heute falsch ist.
Sagt Ernst-Ulrich von Weizsäcker* in einem Interview auf utopia.de. Der Physiker, Biologe und Ex-Politiker schlägt in seinem Buch "Faktor fünf – Die Formel für nachhaltiges Wachstum" vor, eine künstliche Steigerung von Energiepreisen einzuführen, die sich an der Zunahme der Effizienz bei ihrer Nutzung orientiert.
Er plädiert für eine genügsamkeits- statt einer wachstumsorientierten Kultur, und illustriert dies mit einem erfrischend ungenierten Beispiel:
Franzosen investieren doppelt soviel Zeit und vermutlich auch Geld ins Essen wie die Amerikaner – und trotzdem gibt es in Frankreich praktisch keine Fettsucht, die in Amerika ungeheuer verbreitet ist. Da stellt sich die Frage: Wer hat mehr Lebensfreude und Lebensvergnügen?
*) Ja, verwandt mit Richard von Weizsäcker, Neffe von diesem
March 13th, 2010 - 03:11
Hat der Herr Weizsäcker in seinem Buch dargelegt wie die Effizienz bei der Nutzung der Energie gemessen werden könnte? Was für Ansätze gäbe es?
Ein Hausmann oder eine Hausfrau saugt den Fussboden und befreit diesen von kleinen Krümmelchen, dazwischen sitzt ein Knilch mit der Flasche vor dem Fernseher und lässt sich berieseln. Im Gegensatz dazu wird Energie am CERN zum Beispiel innerhalb des Teilchenbeschleinigers dazu verwendet um der ganzen Menschheit durch eine kältere Kernfusion einen Energielieferanten für die Ewigkeit frei Haus zu liefern.
Wo sind Grenzen der Effizienz bei der Nutzung von Energie – was ist effizient und ineffizient?
Denn er scheint schon im Überfluss das Unheil einer Unmessbarkeit zusehen – bei dem durchaus recht zugeben ist.
March 13th, 2010 - 15:32
Genau diese Frage habe ich in dem Interview auch vermisst. Das Buch habe ich nicht gelesen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man ähnlich wie beim Messen der Inflation einen Warenkorb nimmt – ausgewählte Produkte – und anhand derer, z.B. den benötigten Arbeitsstunden beim Zusammenbauen eines Autos (aktuell ca. 40 bei VW, 17 bei Nissan, wenn ich mich richtig erinnere) einen Vergleich anstellt.
March 13th, 2010 - 22:00
Wie auch immer man es messen will, die Einheit steht schon fest:
11. März 2010, Dot Earth – New York Times blog: A New Unit for (Saved) Power