Silber und Öl
Ulrich Grober, Autor einer "Kulturgeschichte der Nachhaltigkeit", gräbt in der ZEIT eine Erzählung aus dem 15. Jahrhundert aus, die vom Bergbau handelt und vom menschlichen Selbstverständnis bei der Nutzung von Ressourcen.
Ein "Bergmann" sieht sich einem Göttertribunal gegenübergestellt, vor dem er sich für das Eingreifen in die Natur rechtfertigt.
Damit kommt er durch. Es sei die »Bestimmung der Menschen«, so lautet die Urteilsbegründung der Götter, »dass sie die Berge durchwühlen«. Aber der Freispruch ist mit einer ernsten Warnung verbunden. Mater terra werde früher oder später zur Selbsthilfe greifen. Die Eindringlinge würden durch vielerlei Gefahren bedroht, ihre Leiber verschlungen, durch böse Wetter erstickt. Nach dieser düsteren Prophezeiung endet die Erzählung von 1492, dem Jahr, als Kolumbus die Küste der Neuen Welt betrat. Mit dem beginnenden Kolonialismus aber erreichte die Vergewaltigung von mater terra eine neue Stufe.
Ulrich Grober kommt in seinem langen Artikel zu keiner Schlussfolgerung, er belässt es bei einem Hinweis auf die Parallele zum Film Avatar.
Wenn man sich über die historisch tiefen Wurzeln der Nachhaltigkeit wundert, darf meiner Ansicht nach aber ein Appell nicht fehlen.
Die Faszination für Bergbau und Bodenschätze, in jüngerer Zeit auch für die Petro- und Nuklear-Industrie hatte ihre historische Berechtigung. Wer aber heutzutage den Begriff Fortschritt verwendet, ohne die zivilisatorische Marschrichtung "Zukunftsfähigkeit" zu berücksichtigen, also eine langfristige ökologische und soziale Unbedenklichkeit, hat unabhängig von apokalyptischen Horrorvisionen Grund, sich vor mater terra zu fürchten.
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7. März 2010, Ulrich Grober, ZEIT online: Wem gehört die Erde?