verzichtsverzicht Bewusst leben in Erasmustan

27Apr/100

100% Erneuerbare 1

Kurt Rohrig arbeitet am Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik und hat das Konzept "Kombikraftwerk" entwickelt. Das Kombikraftwerk ist eine Lösungsmöglichkeit für die variierende Stromerzeugung erneuerbarer Energien. Im Interview mit Technology Review plädiert er für die Kombination verschiedener erneuerbarer Energiequellen, um diese Versorgungssicherheit herzustellen. Seine bereits empirisch angewandte Idee besteht aus einer Kombination aus Wind, Photovoltaik, Biogas und Wasser-Pumpspeichern. Allein mit diesen drei Energiequellen (und dem Zwischenspeicher mit Wasser) ließe sich eine 100% erneuerbare Stromversorgung zuverlässig betreiben, sagt er.

TR: Wie funktioniert ein regeneratives Kombikraftwerk?
Rohrig: Wir nutzen Informationen von deutschen Wetterdiensten und berechnen daraus die Wind- und Sonnenenergie, die unsere Anlagen voraussichtlich erzeugen werden. Das ist der Energieanteil, der wenig regelbar ist und den wir als gegeben hinnehmen müssen. Dann ermitteln wir die verbleibende Lücke zwischen dem erwartbaren Strombedarf und der Einspeisung aus Wind- und Photovoltaikstrom. Diese schließen wir dann mithilfe von Biogasanlagen.
Wenn die Lücke damit noch immer nicht geschlossen werden konnte, haben wir ein Pumpspeicherwerk hinzugenommen, um daraus weitere Energie zu bekommen. Dieses diente auch zum Speichern überschüssiger Energieproduktion. Das Pumpspeicherwerk wurde allerdings nur simuliert, alle anderen Anlagen und auch der Stromverbrauch waren echt.

Damit das Konzept funktioniert, sollten diejenigen Stromerzeuger, die nur "auf Abruf" ihre Kraftwerke betreiben um "Ausgleichsenergie" bereitzustellen, höhere Preise verlangen dürfen:

TR: Sind bei dieser Methode nicht die Biogasproduzenten benachteiligt, die immer nur die Ausgleichsenergie liefern können?

Rohrig: Nicht, wenn die Ausgleichsenergie entsprechend vergütet wird. Wir haben es leider in der letzten Legislaturperiode nicht geschafft, noch einen entsprechenden Passus in das Erneuer-bare-Energien-Gesetz einzubringen. Aber wir brauchen ganz klar finanzielle Anreize dafür, solche Kombikraftwerke zu betreiben.

Außerdem plädiert Rohrig für einen europäischen Netzausbau, auf "intelligente" Weise:

TR: Aber da stößt das europäische Stromnetz doch, wie Sie selbst sagen, an Kapazitätsgrenzen.

Rohrig: Genau. Und das ist der dritte Punkt. Das Netz muss weiter ausgebaut werden – und zwar intelligent. Nicht, wie es im Offshore-Sektor anfangs überlegt wurde, nach dem Prinzip "Ein Windpark, ein Kabel". Das muss europaweit besser organisiert werden.

TR: Warum funktioniert das Prinzip "Ein Windpark, ein Kabel" nicht?

Rohrig: Es ist einfach nicht ökonomisch, für jeden Windpark ein Kabel zu verlegen, wenn der Windpark umgerechnet nur 3000 oder 4000 Stunden im Jahr seine volle Leistung abgibt. Die Offshore-Windparks sollten untereinander vernetzt und insgesamt in die europäischen Stromnetze integriert sein. Die Ausnutzung der Leitungen muss besser organisiert werden. Stromtransport über weite Strecken war bislang gar nicht gefragt. Dafür müssen nun aber die Netze ertüchtigt werden.

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