verzichtsverzicht Bewusst leben in Erasmustan

9May/100

Autos wie Züge

Der erste Feldversuch vom CVIS verleiht der Vision, Autos untereinander elektronisch zu vernetzen, Aufschwung. CVIS steht für "Cooperative Infrastructure Vehicle Systems": Vernetzte Autos tauschen untereinander und mit vernetzten Straßen Daten aus.

Ohne Ampel, ohne Stau

Diese neue Infrastruktur könnte in mittlerer Zukunft Ampeln überflüssig machen und Staus vorbeugen. Viel interessanter finde ich aber die Kombination mit den Fahrer-Assistenz-Systemen. Ihr Ausbau könnte den Fahrer überflüssig machen.

Sicher und sparsam: Faktor Mensch geht flöten

Die Elektronik lenkt das Auto, und dank der Vernetzung können die Autos ganz dicht auffahren, um den Luftwiderstand zu verringern. Informationen über Hindernisse und Bremsmanöver kämen fast gleichzeitig in allen Autos an und würden ohne Reaktionszeit von den automatischen Steuerungen in die nötigen Reaktionen umgesetzt.

Leise wie Gleise

Außerdem könnten diese Autoschlangen die Lärmbelästigung verringern, weil sie für den Anwohner oder Fußgänger nur schubweise und konzentriert laut wären, wie Züge.
Man gäbe vor der Fahrt in den Bordcomputer das Fahrtziel ein, und dieser würde verschiedene Routen zur Wahl stellen. Je nach Zeitdruck und Portemonnaie (schnelleres Fahren birgt höheren Verbrauch) trifft der Fahrer eine Entscheidung, den Rest übernimmt das automatische Auto. Das Navigationssystem wüsste über die Verkehrsdichte Bescheid und könnte präzise die Fahrtdauer berechnen. Nach dem Losfahren fügt die Elektronik das Auto, sobald man in eine Straße mit Datenanbindung gelangt, in eine Schlange von Autos ein, deren Fahrer ein ähnliches Tempo eingestellt haben. Das Auto fährt so lange in dieser Schlange, bis die Wege sich trennen, bis die Straße keine Datenanbindung mehr hat oder bis man sich für ein anderes Tempo entscheidet.

Mein Auto, der Waggon

Ganz mutige Visionäre wie ich könnten sich noch eine Art Anhängerkupplung vorstellen, die nicht nur dichtes Auffahren ermöglicht, sondern auch physikalisches Andocken. Die Motorleistung und der Verbrauch der einzelnen "Schlangen-elemente" könnten damit so optimiert werden, dass immer die geringste Zahl von Motoren läuft, unter optimalen Lastbedingungen. Um die "Zugmaschinen" in der Autoschlange gerecht zu entlöhnen, übertragen die "Gezogenen" ihnen über elektronische Zahlungssysteme ein Nutzungsentgelt, alles automatisch berechnet. In Summe zahlen alle weniger, weil das System des "Fahr-Verbundes" effizienter ist als einzelne Autos. Dieses Zahlungssystem könnte man mit einer Maut-Infrastruktur für die Straße koppeln, um Synergieeffekte zu nutzen.

Drei Spuren insgesamt

Selbst die verkehrsintensivsten Strecken würden mit viel schmaleren Straßen auskommen. Eine Spur müsste nur noch so breit wie der breiteste Verkehrsteilnehmer sein, ohne Reserve - Die Elektronik lenkt präzise. Es würde eine geteilte Überholspur genügen, eine für beide Richtungen. Auch die Standspur wäre überflüssig, weil die Autoschlangen koordiniert ausweichen könnten.

Was tut der Fahrer, wenn er nicht mehr fährt?

Die gelangweilten Fahrer, die nicht mehr fahren müssen, bekämen eine Tastatur und können mit den Fahrern der anderen Autos in der Schlange chattend "Ich sehe was, was du nicht siehst" spielen.

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