Wider dem psychologischen Vertragsbruch!
Meike Winnemuth spricht mir aus der Seele. In ihrem treffend betitelten Artikel "Re: " aus dem SZ-Magazin beschreibt sie den Sittenverfall beim Termineinhalten, der auf moderne Kommunikationsmittel zurückgeht.
Handys, Laptops, Blackberrys beschleunigen die Kommunikation, produzieren neues Verhalten, neue Manieren - und neue Feigheiten. Es sagt sich nun mal leichter ab, wenn man mit dem Ärger oder der Enttäuschung des anderen nicht unmittelbar konfrontiert wird.
[Die Schweizer Psychologin Gabrielle Rütschi] diagnostiziert in ihrem Buch "Vielleicht. Die unverbindliche Verbindlichkeit" die zunehmende Unzuverlässigkeit als Symptom einer Zeit, in der es nur noch um »emotionale Bedürfnisbefriedigung« gehe. Unentwegt werde psychologischer Vertragsbruch begangen, würden Absprachen über den Haufen geworfen - eine bindungslose Welt voller Opportunisten, die sich bis zuletzt alle Optionen offen halten, voller Egomanen, die nur ihren Launen folgen.
So ist es! Und nicht anders! Handy-Egomanen! Hemmungslose Opportunisten! Termin-Alternativen-Heuchler! Alle!
In meinem Umfeld in Pamplona habe ich drei zuverlässige Freunde. Drei. Die Planung meiner Freizeitaktivitäten, die meist aus Berg- und Fahrradtouren bestehen, ranke ich um die Säulen dieser Worthalter. Der Schmuck der Säulen, die weiteren Teilnehmer, wird persönlich rekrutiert. Maximal zwei Tage vorher, mit Blickkontakt und Handschlag. Damit nehme ich den Opportunisten ihr bestes Werkzeug: Die vage Zusage. Die "neue Feigheit" kann mir gestohlen bleiben.
Im Augenblick der Verabredung wird schon eine Hochrechnung über das Zustandekommen inklusive Scheiterwahrscheinlichkeit angestellt: D. sagt sowieso immer im letzten Moment ab, also kann ich schon mal bei A. zusagen. Die wartet aber auch noch auf den Rückruf von R.
Ihr könnt mich alle mal!
May 9th, 2010 - 13:38
tut mir leid. das hab ich andreas schon versprochen.
May 9th, 2010 - 15:18
was, das können?
May 12th, 2010 - 21:56
Frei nach dem Prinzip “Keine Sau ruft mich an” wirkt die elektronische Kommunikation nebenbei als Art Bekannten-Filter. Meldet sich eine Person an meinem ach so altmodischen Festnetzanschluss freue ich mich, gerade weil es eine Vielzahl an unpersönlicheren, oberflächlicheren Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme gegeben hätte…. die dreistellige Freundezahl auf Facebook ist dann eventuell nur noch bei Krisensituationen gut, um Verbundenheit zu illusionieren.
Ist das dumm? http://webkompetenz.wikidot.com/blog:76
May 17th, 2010 - 23:15
(von dir verlinkte Website)
Produktive Kommunikation zwischen Fremden? Damit muss wohl utopia gemeint sein!