Von Jungfrauen und Laufrädern
Der junge Titelsträger Lord Pabst führte ein unbeschwertes Leben. Tagein, tagaus verkehrte er mit den ansehnlichsten Damen, die der Hof zu bieten hatte, und flanierte kutschierend durch Güter und Landen.
Er wurde von jung und alt bewundert und beneidet. Der versammelte Hof kannte kein anderes Gesprächsthema als die Eskapaden seiner Exzellenz. Doch Lord Pabst war nicht der skrupellose Frauenheld, den man an dieser Stelle vermuten mag. Er hatte ein großes Herz.
Als ihm eines Tages eine Fee erschien, von der man nicht wusste, ob sie der hellen oder der dunklen Seite des Mondes verpflichtet war, verliefen all seine altbewährten Flirt-Taktiken im Sande. Diese Fee war so resistent gegen den Charme des Lords, dass ihm vor Verzweiflung ein flätiger Ausdruck über die Lippen rutschte.
Vor lauter Zorn über dieses unangemessene Verhalten verwandelte die Fee des Lords schöne Frauen in einen Haufen lästiges Gepäck.
Der Lord war so überrascht über den plötzlichen Verlust seiner Kurzweil, dass er sich nicht anders zu helfen wusste, als den Ritt ins nördliche Exil zu wagen. So nahm er das lästige Gepäck und zog von dannen.
Und wenn er nicht den Führerschein verloren hat, so ist er noch heute auf dem Weg nach Hamburg.


July 12th, 2010 - 17:25
Oh der arme Herr Lord!
Das hat er nicht verdient!
Sollte er jemals trotz der immensen Strapazen und dann noch ohne weibliche Kurzweil in Hamburg eintreffen, wollen wir ihm gewiss einen gebührlichen Empfang zelebrieren.
July 12th, 2010 - 22:19
lord im glück.
kurz hinter der letzten windmühle von sancho panza erschien dem lord zu nächtlicher stunde ein pyreneenkobold. “was willst du kobold?”"nun, mein lord, ich gebe dir für den koffer mit dem kaputten reißverschluss eine ziegenblase, gefüllt mit gutgekühltem eistee!” der lord überlegte nicht lange, denn auch in der nacht wurde es auf der wärmeaufstauenden asphaltdecke nicht merklich kühler. ihm dünkte kühlung und der tausch ward vollzogen. keine vier stunden und einen tank später erschien dem lord eine gar liebliche nymphe aus der garonne: “vous nàvez vraiement besoin des sac á dos colorée?” nun war der lord des französischen nicht herr und verstand das mit dem sackgesicht vollkommen falsch. rucksack weg, nymphe weg. nun ja man kann nicht alles haben, dachte der lord, stellte die autolautsprecher etwas lauter, aß die dritte tafel schokakola und wie´s der zufall wollte, überholte ihm im nebel des loiretal eine belgische udine. ihrem wink folgend hielten beide auf lauschigem stationement inne. doch wie udinen so sind, hatte sie es nur auf den umzugskarton mit der aufschriftt “chaussure 1er choix” abgesehen. gerne gab der lord auch diesen ballast fort, auch ohne gegenleistung. “freie sicht im rückspiegel ist doch auch was wert, oder?” dachte sich der kecke udinenflüsterer. nun konnte er die rückenlehne auch in die horizontale drehen und gönnte sich eine mütze schlaf. kaum eingenickt, klopfte ein fernfahrer aus röhrmond mit seiner behaarten rechten beherzt ans spaltgeöffnete seitenfenster: “örmahl kollesche, dat fresspaket kaufisch dir ab, wat willse mit 10kilo müsli?” mit seiner linken schwenkte er ein qualitativ gut gedrucktes vierfarbmagazin mit schönen frauen und nem hasenlogo drauf. “woher hat der das bloß gewußt?” dachte der lord und schon klappte er staunend das centerfold von pamela anderson auf. es dämmerte und amsterdam war nicht weit. bei einer routinekontrolle mußte der lord leider zwei blassbleiche beamten mit dem zusammengefalteten tourenrad bestechen. schließlich hatten ihm die beamten nicht abgenommen, dass die heckausfüllenden reservekanister vordem mit bionade, geschmacksrichtung kerosin gefüllt waren. hauptsache gesund, dachte sich der lord und fuhr fröhlich pfeifend über die ersten hängebrücken, denn die paar eingenähten tüten hatten die kaasköppe fürbaß übersehen.
July 13th, 2010 - 22:09
Oh je. Jetzt komm ich ja mal wieder in Bredouille.
Welches Märchen ist nun das wundersamere?
Ich bleib diplomatisch und ganz ehrlich.
Beide.
Top-Lektüre.
Welcher Verlag?
Hardcover?