Berufswunsch revisited
Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an meine Mails aus Kanada. Der Rubrik "Berufswunsch" soll dieser Eintrag zur Ehre gereichen, ich weiß nämlich immer noch nicht, was ich werden will.
Architekt?
Hampelmann, Tankwart oder Obsthändler?
Im Bereich der alternativen Lebensentwürfe würden mich der Weltenwanderer und der ewige Radreisende reizen, aber unmotorisiert.
Regisseur vielleicht, Kameramann auf keinen Fall.
Wer weiß, vielleicht scheiß ich auf alles und werde einfach Eremit.
Arbeit, Faulheit, Produktivität
Wie glücklich macht eigentlich Arbeit in einer Gesellschaft, deren Betriebssystem auf Konkurrenz, Siege und Niederlagen setzt?
Fragt Goedart Palm im Telepolis-Artikel "Schöne neue Arbeitswelt". Er stellt noch weitere, schonungslose Fragen, die wohlüberlegt und ohne Blatt vor dem Mund darum kreisen, was Arbeit für die Wirtschaft leisten muss. Und dass diese Anforderungen in krassem Gegensatz zu den Versprechen stehen, die eine menschenfreundliche Arbeitswelt verkaufen.
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Die Zumutungen, immer neues Wissen in immer kürzeren Zeiten zu erfolgreichen Arbeitsroutinen werden zu lassen, sind ebenso zahlreich wie jene, in Betrieben zu arbeiten, die als krank machende Treibhäuser einer beschädigten Streit- und Hasskultur gelten dürfen, ohne dass der Lohn auch die zwingend notwendige Zusatzfunktion eines Schmerzensgeldes übernimmt.
"Herz" oder Herzersatzstoffe werden in Unternehmen schon seit vielen Jahren verabreicht, um die Arbeitsplätze zumindest in ihrer Papierform erträglicher zu gestalten. Schwerbehinderten- und Mobbing-Beauftragte, Eingliederungsmanagement, Mitarbeiterkonferenzen ohne Ende, Compliance-guides und verwandte Rezepturen werden aufgeboten, um den Eindruck zu kaschieren, hier ginge es um mehr als öde Maloche.
Unerträglich ist nicht das geläufige Lob von Arbeitseifer, Motivation und Selbstverantwortung per se, sondern die flächendeckende Projektion auf eine Wirtschafts- und Arbeitsgesellschaft, die in ihrem Betriebssystem auf Konkurrenz, Siege und Niederlagen gerichtet ist.
Stehen wir nicht längst vor einem kompletten Umbau, besser: Umbruch des Wirtschaftssystems und der Arbeitswelt (...), der konkrete Lebensumstände, Arbeit und Geldkreisläufe entkoppeln muss, um zu erträglicheren Konditionen zu kommen?
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20. Februar 2010, Goedart Palm, Telepolis: Schöne neue Arbeitswelt