verzichtsverzicht Bewusst leben in Erasmustan

28Oct/100

Die Wende zur Kreativ-Gesellschaft: Mit Drachen statt Windrädern

Wie sich Gesellschaft und Wirtschaft genau ändern - ob wir uns im post-industriellen Zeitalter in einer Informations- oder einer Wissensgesellschaft bewegen - sei dahingestellt. Tatsache ist, dass statt Fleiß und Arbeit in Zukunft geschickt eingesetztes Wissen und Kreativität den Ton des Erfolgs angeben werden.
Firmenchefs, die nicht mit dem Auto, sondern mit dem Kite über's Meer zur Arbeit fahren, darf also ein zeitgemäßes Verhalten attestiert werden - Wie viele gute Einfälle hat man im Stau, und wie viele beim Sport an der frischen Luft?
Statt in einem grauen Hochhaus arbeitet der Kalifornier Corwin Hardham im Tower eines ehemaligen Militärflughafens und entwickelt dort mit zwei Kitesurf-Freunden einen Drachen, der an einem langen Kabel kreisend aus Windenergie Strom erzeugt. Dass sich mit-dem-Kite-zur-Arbeit-fahren lohnt, kann man schon daran ablesen, dass das Unternehmen von Hardham, "Makani Power", schon wenige Jahre nach der Gründung Investitionen von 20 Millionen Dollar von Google und 3 Millionen von der US-Regierung einheimsen konnte.
Der Technology Review-Artikel "Strom aus dem Luft-Karussell" verrät technische Details über funktionierende Drachen-Prototypen, die geplante Leistung des ausgewachsenen Drachens von 1 MW und zieht einen Vergleich zu konventionellen Windkraftanlagen:

Die Vorzüge von Makanis Drachen liegen im Vergleich zu einem herkömmlichen Windkraftwerk in seiner Reichweite, Flexibilität und geringen Masse. Je höher die fliegende Windkraftanlage am Himmel platziert wird, desto kräftiger weht der Wind und desto größer ist die Energieausbeute. So schätzt der Windenergie-Experte Ken Caldeira von der Carnegie Institution in Stanford, dass fliegende Generatoren einen Nutzungsgrad von 60 bis 80 Prozent erreichen, während herkömmliche Anlagen am Boden oder offshore auf nicht mehr als 30 bis 40 Prozent kommen.

Der Ein-Megawatt-Drachen kann im Jahresdurchschnitt dieselbe Leistung erzeugen wie eine herkömmliche Zwei-Megawatt-Anlage, rechnet Hardham vor, bei einem erheblich geringeren Aufwand an Ressourcen und Installation. Der Mast einer entsprechend großen konventionellen Wind-mühle bestünde aus 400 Tonnen Beton, bräuchte einen Kran zur Installation, und auch die Wartung sei erheblich aufwendiger. Die Basisstation des Makani-Drachens, so Hardham, komme dagegen mit 100 Tonnen Beton oder als Offshore-Version mit einer am Meeresgrund verankerten Boje aus. "Die Generatoren sind mit 200 Kilogramm noch die schwersten Komponenten bei unserem System", erklärt Hardham. "Die lassen sich leicht mit einem Lastwagen oder einem Boot heranschaffen."

Als großen Punkt auf Seiten der Nachteile darf verbucht werden, dass der Drachen nicht mit dezentralen "Selbstversorger"-Systemen kompatibel ist. Vielmehr ist er "als großer Windpark [konzipiert], nicht als einzelne Anlage für eine Gemeinde".

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1Jun/101

Energie im Überblick

Ulf Froitzheim stellt in der Mai-Ausgabe der brand eins (Schwerpunkt Irrationalität) eine so umfassende Übersicht des status quo verschiedener Energiequellen zusammen, dass man kaum glauben mag, der Artikel stammt aus der Feder eines einzigen Autors. Statt wie üblich einzelne Passagen zu zitieren, lege ich jedem Blogleser die Lektüre des ganzen Artikels ans Herz. Die Stärke dieses "Versuchs einer nüchternen Analyse" ist neben seinem Inhaltsreichtum der realitätsnahe und neutrale Blickwinkel auf Vor- und Nachteile aller gängigen Energieträger aus Sicht ökonomischer Entwicklungschancen.

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5May/100

100% Erneuerbare 2

Die European Climate Foundation hat vor Kurzem eine dreiteilige Studie herausgebracht, die den Weg für 100% erneuerbare Energien bis 2050 aufzeigt. Die ECF ist eine Stiftung, die sich, unschwer am Namen erkennbar, mit dem Klimawandel beschäftigt. Sie wird finanziert durch andere Stiftungen.
Die Studie mit dem griffigen Titel "Roadmap 2050" wurde in Zusammenarbeit mit illustren Experten diverser Universitäten und Unternehmensberatungen erstellt, was ihr eine reizvolle Immunität gegen die Schwarzmalerei-aus-Eigeninteresse-Vorwürfe gegen verschiedene NGOs und den Weltklimarat verleiht.

27Apr/100

100% Erneuerbare 1

Kurt Rohrig arbeitet am Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik und hat das Konzept "Kombikraftwerk" entwickelt. Das Kombikraftwerk ist eine Lösungsmöglichkeit für die variierende Stromerzeugung erneuerbarer Energien. Im Interview mit Technology Review plädiert er für die Kombination verschiedener erneuerbarer Energiequellen, um diese Versorgungssicherheit herzustellen. Seine bereits empirisch angewandte Idee besteht aus einer Kombination aus Wind, Photovoltaik, Biogas und Wasser-Pumpspeichern. Allein mit diesen drei Energiequellen (und dem Zwischenspeicher mit Wasser) ließe sich eine 100% erneuerbare Stromversorgung zuverlässig betreiben, sagt er.

11Mar/103

Nur reich oder auch glücklich?

Das BIP ist ein Umsatz-Maßstab, indes kein Maßstab für Lebensqualität. Solange die Leute arm sind, ist natürlich jeder zusätzliche Umsatz ein Gewinn an Lebensqualität. Aber angesichts des Reichtums, den sehr viele von uns haben, hat zusätzlicher Umsatz nichts mehr mit Wohlergehen zu tun. Das heißt, wir brauchen einen besseren Maßstab dafür, was wir wollen. Wir sollten doch nicht nach einer Zielmarke segeln, die vor 100 Jahren richtig war – und heute falsch ist.

Sagt Ernst-Ulrich von Weizsäcker* in einem Interview auf utopia.de. Der Physiker, Biologe und Ex-Politiker schlägt in seinem Buch "Faktor fünf – Die Formel für nachhaltiges Wachstum" vor, eine künstliche Steigerung von Energiepreisen einzuführen, die sich an der Zunahme der Effizienz bei ihrer Nutzung orientiert.
Er plädiert für eine genügsamkeits- statt einer wachstumsorientierten Kultur, und illustriert dies mit einem erfrischend ungenierten Beispiel:

Franzosen investieren doppelt soviel Zeit und vermutlich auch Geld ins Essen wie die Amerikaner – und trotzdem gibt es in Frankreich praktisch keine Fettsucht, die in Amerika ungeheuer verbreitet ist. Da stellt sich die Frage: Wer hat mehr Lebensfreude und Lebensvergnügen?

*) Ja, verwandt mit Richard von Weizsäcker, Neffe von diesem

21Feb/105

Ey Paul, deine Vision ist keine!

Es ist das Schicksal vieler visionärer Ideen, dass lange kaum jemand an sie glaubt.

Lässt Paul van Son verlauten, Chef von Desertec, dem Mega-Solarstrom-Projekt, das in Nordafrika mit gigantischen Anlagen Strom für Europa produzieren will.
Und verschweigt dabei, dass vieles am Desertec-Konzept weit entfernt ist von den Visionen, die die erneuerbare Energie so reizvoll machen.

Keine Frage - zentrale Energieversorgung mit importiertem Solarstrom ist ein geringeres Übel als zentrale Energieversorgung aus importierten fossilen Energiequellen.
Aber all die zusätzlichen Probleme, die neben dem geringeren Schadstoffausstoß durch eine Umstellung auf erneuerbare Energien gelöst werden könnten, bleiben bei Desertec unangetastet:
Die Abkehr vom Oligopol weniger mächtiger Stromkonzerne. Wegen nicht mehr benötigter Energielieferungen eine weit geringere Abhängigkeit von Ländern, die gelinde ausgedrückt ein anderes Demokratieverständnis haben. Daraus könnte ein authentischerer Standpunkt Europas beim Einfordern der Menschenrechte folgen. Demokratischere Strukturen durch viele kleine Erzeuger-Genossenschaften statt weniger großer Anlagen. Schließlich die höhere Energieeffizienz durch Erzeugung der Energie dort, wo sie verbraucht wird.