verzichtsverzicht Bewusst leben in Erasmustan

12Jun/100

Schnell, schneller, am Langsamsten

Ivan Illich, Blogger auf der angenehm philosophisch angehauchten Plattform "52 Wege für den Wandel der Welt", hat einen herrlichen Artikel aus dem Jahr 1974 ausgegraben, der die Paradoxien automobiler Fortbewegung nüchtern vorrechnet. Eine These, die ich schon seit Langem vertrete: Beim Vergleich "schneller" mit "langsamen" Verkehrsmitteln sollte man auch die Zeit miteinbeziehen, die für die Pflege der Infrastruktur, für die Finanzierung und für die technische Instandhaltung benötigt wird.
Wie immer gewinnt das Fahrrad.

Der typische amerikanische arbeitende Mann wendet 1600 Stunden auf, um sich 7500 Meilen fortzubewegen: das sind weniger als fünf Meilen pro Stunde. In Ländern, in denen eine Transportindustrie fehlt, schaffen die Menschen dieselbe Geschwindigkeit und bewegen sich dabei, wohin sie wollen – und sie wenden für den Verkehr nicht 28%, sondern nur 3% bis 8% ihres gesellschaftlichen Zeitbudgets auf.

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1Jun/101

Energie im Überblick

Ulf Froitzheim stellt in der Mai-Ausgabe der brand eins (Schwerpunkt Irrationalität) eine so umfassende Übersicht des status quo verschiedener Energiequellen zusammen, dass man kaum glauben mag, der Artikel stammt aus der Feder eines einzigen Autors. Statt wie üblich einzelne Passagen zu zitieren, lege ich jedem Blogleser die Lektüre des ganzen Artikels ans Herz. Die Stärke dieses "Versuchs einer nüchternen Analyse" ist neben seinem Inhaltsreichtum der realitätsnahe und neutrale Blickwinkel auf Vor- und Nachteile aller gängigen Energieträger aus Sicht ökonomischer Entwicklungschancen.

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1Jun/103

Mein System, dein System

Helmut Willke ist Professor für "Global Governance" und Systemtheoretiker. Im brand eins-Interview ("Stochern im Nebel") spricht er sich für eine Erneuerung politischer Planungssyteme und ein neues Verhältnis zu Problemen aus.

9May/100

Autos wie Züge

Der erste Feldversuch vom CVIS verleiht der Vision, Autos untereinander elektronisch zu vernetzen, Aufschwung. CVIS steht für "Cooperative Infrastructure Vehicle Systems": Vernetzte Autos tauschen untereinander und mit vernetzten Straßen Daten aus.

Ohne Ampel, ohne Stau

Diese neue Infrastruktur könnte in mittlerer Zukunft Ampeln überflüssig machen und Staus vorbeugen. Viel interessanter finde ich aber die Kombination mit den Fahrer-Assistenz-Systemen. Ihr Ausbau könnte den Fahrer überflüssig machen.

5May/100

100% Erneuerbare 2

Die European Climate Foundation hat vor Kurzem eine dreiteilige Studie herausgebracht, die den Weg für 100% erneuerbare Energien bis 2050 aufzeigt. Die ECF ist eine Stiftung, die sich, unschwer am Namen erkennbar, mit dem Klimawandel beschäftigt. Sie wird finanziert durch andere Stiftungen.
Die Studie mit dem griffigen Titel "Roadmap 2050" wurde in Zusammenarbeit mit illustren Experten diverser Universitäten und Unternehmensberatungen erstellt, was ihr eine reizvolle Immunität gegen die Schwarzmalerei-aus-Eigeninteresse-Vorwürfe gegen verschiedene NGOs und den Weltklimarat verleiht.

3May/100

Schlauer Markt, dumme Politik

Stephan Jansen war gefeierter Jung-Manager und ist jetzt Privatuni-Präsident und Wirtschaftsprofessor. In einem langen Interview mit der brand eins argumentiert er auf fundierte Weise für einen freien Markt, weist darauf hin, dass man auch Insolvenzen großer Unternehmen zulassen sollte, wirft ein neues Licht auf die Abwrackprämie und äußert sich zu vielen deutschen Missständen. Auch wenn man seine Ansichten nicht teilt, die Argumentation und die Beispiele sind durchdacht.

7Mar/100

Silber und Öl

Ulrich Grober, Autor einer "Kulturgeschichte der Nachhaltigkeit", gräbt in der ZEIT eine Erzählung aus dem 15. Jahrhundert aus, die vom Bergbau handelt und vom menschlichen Selbstverständnis bei der Nutzung von Ressourcen.
Ein "Bergmann" sieht sich einem Göttertribunal gegenübergestellt, vor dem er sich für das Eingreifen in die Natur rechtfertigt.

Damit kommt er durch. Es sei die »Bestimmung der Menschen«, so lautet die Urteilsbegründung der Götter, »dass sie die Berge durchwühlen«. Aber der Freispruch ist mit einer ernsten Warnung verbunden. Mater terra werde früher oder später zur Selbsthilfe greifen. Die Eindringlinge würden durch vielerlei Gefahren bedroht, ihre Leiber verschlungen, durch böse Wetter erstickt. Nach dieser düsteren Prophezeiung endet die Erzählung von 1492, dem Jahr, als Kolumbus die Küste der Neuen Welt betrat. Mit dem beginnenden Kolonialismus aber erreichte die Vergewaltigung von mater terra eine neue Stufe.

Ulrich Grober kommt in seinem langen Artikel zu keiner Schlussfolgerung, er belässt es bei einem Hinweis auf die Parallele zum Film Avatar.
Wenn man sich über die historisch tiefen Wurzeln der Nachhaltigkeit wundert, darf meiner Ansicht nach aber ein Appell nicht fehlen.
Die Faszination für Bergbau und Bodenschätze, in jüngerer Zeit auch für die Petro- und Nuklear-Industrie hatte ihre historische Berechtigung. Wer aber heutzutage den Begriff Fortschritt verwendet, ohne die zivilisatorische Marschrichtung "Zukunftsfähigkeit" zu berücksichtigen, also eine langfristige ökologische und soziale Unbedenklichkeit, hat unabhängig von apokalyptischen Horrorvisionen Grund, sich vor mater terra zu fürchten.

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7. März 2010, Ulrich Grober, ZEIT online: Wem gehört die Erde?