verzichtsverzicht Bewusst leben in Erasmustan

10Jul/101

Von Stieren nichts zu sehen

Auch wenn es weltweit so vermittelt wird: San Fermin ist kein Stierrennen. Es geht in erster Linie weder um Torros, noch um Torreros, sondern wie bei jedem anderen Massenauflauf aus Feier-Gründen um Alkohol, um Tanz, um Konsum und um schnellen Sex.
Die Stiere werden um 8 Uhr morgens ihre 800 Meter in die Arena getrieben. Acht Uhr, das ist eine Zeit, zu der die Unzurechnungsfähigen noch wach sind, die Vernünftigen schlafen und die Disziplinierten schon wieder wach sind. Wer mitlaufen möchte, muss sich um allerspätestens halb sieben in eigene Gatter einpferchen lassen, die die Polizei zu dieser Zeit abriegelt und die pünktlich zum Txupinazo, dem "Anpfiff" des Stierlaufs, wieder geöffnet werden.
Die wilde Horde von Bestien - Stiere, die sich im Trubel aus besoffenen, singenden, grölenden und Zeitungs-schwingenden Menschen in den engen Gassen auf dem feuchten Kopfsteinpflaster zu verteidigen versuchen - ist innerhalb weniger Minuten im Stadion angelangt.
Die Skrupellosen verfolgen dann das Spektakel, während sich die Unzurechnungsfähigen langsam nach Hause oder auf eine zugemüllte Grünfläche verziehen, um eine kleine Mütze Schlaf abzustauben. Die Party geht schließlich bald weiter.

24May/100

Beweg’ dein’ Arsch

Eigentlich beginnt es ziemlich scheiße, das Wochenende.
Von der hunderttausendsten Erasmus-Haus-Party am Freitag verdrücke ich mich zwar zügig, aber die Uhr zeigt trotzdem schon zwei, als ich mich schlafen lege.
Vier Stunden später klingelt der Wecker, ich packe meine Sachen, ziehe die Wanderschuhe an, und fahre mit dem Fahrrad zwanzig Minuten in den Vorort.

19May/102

Sicheres kleines Pamplona

Ich sitze im Subsuelo, dem dienstäglichen Stammlokal, und lausche den Wogen des Saxofons. Den Euphorie- und Ruhe-Wogen des Saxofons. Den Euphorie- und Ruhe-Wogen von Saxofon, Keyboard, Schlagzeug, Trompete, Bass und Gitarre. Ich lausche der improvisierten Klangharmonie der Jazz-Jamsession und denke: "Wie gut, dass Pamplona so klein ist. Wie gut, dass ich mir um meine Jacke keine Sorgen machen muss," die fünf Meter schräg hinter mir unbewacht unter zwei anderen Jacken auf einem Barhocker liegt.

4Apr/100

Jazz pur

An Malagas Strandpromenade gibt es ein Konzert: Wie Musik für die Ohren.

31Mar/100

Quietsch-Knarz

Die Karwoche in Südspanien. Die angsterregenden Kapuzenträger, die prunkvollen Marien- und Jesus-Throne, die zehntausend Menschen, die für die Prozessionen der Semana Santa auf die Straße gehen. Das sind die Bilder, die in Reiseführern und Nachrichten kolportiert werden.

Zwischen Weihrauch und Weingummi

Wenn man ein paar Tage vor Ort ist, fällt einem mehr auf.

27Mar/101

Bocker Dilljo mit Karla Mares

Spanische Bars sind laut, geschäftig, fettig, dreckig, lebendig.
Dies bezeugt ein Tondokument direkt vom Rastro, dem Flohmarkt und Sonntags-Lebensmittelpunkt der Hauptstadtbevölkerung. Wir integrieren uns voller Elan mit ein paar Bier und dem vierten Tintenfischbrötchen.

15Jan/100

Fuera!

Selbst im kühlen Norden Spaniens, wo es im Winter schneit und kalt ist, wo es zwischen Oktober und Mai viel regnet, herrscht eine ausgeprägte Schönwetterkultur. Und wenn die Parks und Plätze von strömendem Regen dominiert werden, geht man halt ins Café, um mit Freunden, Nachbarn und Verwandten zu plauschen. Doch wehe, es wagt jemand, die trockene Idylle mit der Realität zu konfrontieren! Vom Kellner erhalte ich eine böse Zurechtweisung, als ich im Eingangsbereich des Cafés meine Regenjacke ausschüttele. "Fuera, no aquí!"

24Nov/092

Märchenland

Sie sind Gestalten mit kleinen roten Augen, nie um eine dicke Selbstgedrehte im Mundwinkel verlegen. Sie raspeln sich mittags das Gemüse auf den Salatteller und tanzen abends ums Feuer. Sie hacken Baumstümpfe aus dem Boden, um die Beete zu erweitern, und sehen dabei aus wie die Männchen im "Siedler"-Computerspiel.
Überhaupt scheint das Leben in dem ehemals verlassenen, seit 14 Jahren besetzten Dorf wie aus einer anderen Zeit. Ein Teil der Steinhäuser besteht nur noch aus zugewachsenen Mauern. Diese Ruinen und die mit groben Steinen gepflasterten Wege strahlen einen so besonderen Charme aus, dass man die herbstlich bunten Wälder und Hügel, die sich als Naturschutzgebiet um das Dorf am Hang legen, als selbstverständlich hinnimmt, wenn man zum Plumpsklo stolpert.

1Nov/090

La Peña

Weder Schachbretter, noch Modellflugzeuge, noch Luftgewehre. Kein Sport, keine Sammelwut, kein Motto.
Das spanische Vereinsheim navarrischer Prägung braucht keine tätliche Rechtfertigung.
Für einen mittelhohen zweistelligen Jahresbetrag kann jedes Mitglied Bar, Tische, Fernseher und Küche nutzen. Zweck ist allein die Leidenschaft für Essen und Rauchen, Grund ist die Liebe zur Geselligkeit.