verzichtsverzicht Bewusst leben in Erasmustan

11Apr/103

Selbstlos lohnt sich

Eine graue Wolke über dem Türmchen hinter der Antenne. Mein Fensterblick, den ich so selten bei vollem Bewusstsein genieße, weil ich mein Zimmer in der Regel nur zum Schlafen aufsuche, und nur verschlafene, von der Traumwelt vernebelte Äuglein morgens aus dem Fenster kucken. Diesen Fensterblick auf der Netzhaut und die fröhlich-ironisch-melancholischen Texte von Amy Winehouse im Ohr, reisen meine Gedanken. Was machen all die herzlichen Menschen gerade, deren Großzügigkeit ich beim Reisen genießen durfte, nur um ein paar Stunden oder Tage später wieder zu verschwinden? Wie glücklich kann ich mich schätzen, sie alle getroffen zu haben. Sind sie immer so offen und herzlich? Habe ich den richtigen Tag erwischt und den richtigen Nerv getroffen? Stößt meine Offenheit ihre Türen ein?
Sicher ist, dass solche Begegnungen vielen Menschen vorenthalten bleiben. Nur so kann ich es mir erklären, dass das Menschenbild des Durchschnittseuropäers von Misstrauen beherrscht wird. Die Mehrheit teilt die Kontakte ihres Lebens ein: In Freunde und in Dienstleister. Den Freunden traut man, den Dienstleistern gibt man Geld, damit sie etwas für einen tun.
Ich genieße es, immer von Neuem auf Reisen zu erfahren, dass es noch etwas dazwischen gibt. Fremde, denen man trauen kann, und Dienstleister, die statt Geld andere Währungen akzeptieren. Die sich emanzipieren von der eindimensionalen Weltsicht, man müsse für alles bezahlen, was man braucht. Die vom Dienstleister zum Verbündeten werden.
Zum Beispiel die Menschen, die Anhalter mitnehmen, die fremde Gäste beherbergen, diese Menschen haben Weitsicht und Herz. Sie macht es glücklich, zu geben, und sie erhalten im Gegenzug Inspiration, Freundschaft, Kontakte, schöne Momente. Ohne die korrumpierende Barriere Geldaustausch.
Diese Menschen sind reicher, die Begegnung mit ihnen ist reicher. Es erfüllt mich, sie zu treffen. Ich suche sie überall.
Beim Couchsurfen und Autostoppen finde ich sie leichter.

27Mar/101

Bocker Dilljo mit Karla Mares

Spanische Bars sind laut, geschäftig, fettig, dreckig, lebendig.
Dies bezeugt ein Tondokument direkt vom Rastro, dem Flohmarkt und Sonntags-Lebensmittelpunkt der Hauptstadtbevölkerung. Wir integrieren uns voller Elan mit ein paar Bier und dem vierten Tintenfischbrötchen.

24Mar/104

Fernweh

Mein Sofa, der graue Tag, die geschwänzte Vorlesung vom Vormittag, die widerwillig bezahlte Strafe fürs rote-Ampel-Überqueren-mit-dem-Fahrrad, das Ausprobieren miserabler gratis-Filmschnittprogramme, die oberflächlichen Themen im Chat der zeitraubenden Onlinegemeinschaft, der dem Vernehmen nach exzellente Sex meines Mitbewohners im Nachbarzimmer, die dröge Stimme der Moderatorin vom Onlineradio, der nicht funktionierende Foto-Upload auf mofoto mittels Flash, der bedrückende Verlauf der Handlung im Buch, das ich lese - Wie sie mir alle auf den Sack gehen!!
Ab Freitag - Zwei Wochen Süden! Freiheit! Straße! Abwechslung!
Joder!

13Mar/106

Berufswunsch revisited

Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an meine Mails aus Kanada. Der Rubrik "Berufswunsch" soll dieser Eintrag zur Ehre gereichen, ich weiß nämlich immer noch nicht, was ich werden will.
Architekt?
Hampelmann, Tankwart oder Obsthändler?
Im Bereich der alternativen Lebensentwürfe würden mich der Weltenwanderer und der ewige Radreisende reizen, aber unmotorisiert.
Regisseur vielleicht, Kameramann auf keinen Fall.
Wer weiß, vielleicht scheiß ich auf alles und werde einfach Eremit.