verzichtsverzicht Bewusst leben in Erasmustan

19May/102

Sicheres kleines Pamplona

Ich sitze im Subsuelo, dem dienstäglichen Stammlokal, und lausche den Wogen des Saxofons. Den Euphorie- und Ruhe-Wogen des Saxofons. Den Euphorie- und Ruhe-Wogen von Saxofon, Keyboard, Schlagzeug, Trompete, Bass und Gitarre. Ich lausche der improvisierten Klangharmonie der Jazz-Jamsession und denke: "Wie gut, dass Pamplona so klein ist. Wie gut, dass ich mir um meine Jacke keine Sorgen machen muss," die fünf Meter schräg hinter mir unbewacht unter zwei anderen Jacken auf einem Barhocker liegt.

14May/101

Jasmine

Es passt mir überhaupt gar kein Bisschen in den Kram. Nicht einen Deut. Zum völlig falschen Zeitpunkt bittet Jasmine um Obdach - eine halbe Woche vor den Semester-Abschlussklausuren.
Jasmine hat ein karges couchsurfing-Profil mit einem neutralen Foto. Sie ist Neuseeländerin.
Sie schreibt, dass sie in der Schweiz gestartet ist und nach Portugal will. Über den Jakobsweg. Auf dem Fahrrad.

9May/104

Wider dem psychologischen Vertragsbruch!

Meike Winnemuth spricht mir aus der Seele. In ihrem treffend betitelten Artikel "Re: " aus dem SZ-Magazin beschreibt sie den Sittenverfall beim Termineinhalten, der auf moderne Kommunikationsmittel zurückgeht.

11Apr/103

Selbstlos lohnt sich

Eine graue Wolke über dem Türmchen hinter der Antenne. Mein Fensterblick, den ich so selten bei vollem Bewusstsein genieße, weil ich mein Zimmer in der Regel nur zum Schlafen aufsuche, und nur verschlafene, von der Traumwelt vernebelte Äuglein morgens aus dem Fenster kucken. Diesen Fensterblick auf der Netzhaut und die fröhlich-ironisch-melancholischen Texte von Amy Winehouse im Ohr, reisen meine Gedanken. Was machen all die herzlichen Menschen gerade, deren Großzügigkeit ich beim Reisen genießen durfte, nur um ein paar Stunden oder Tage später wieder zu verschwinden? Wie glücklich kann ich mich schätzen, sie alle getroffen zu haben. Sind sie immer so offen und herzlich? Habe ich den richtigen Tag erwischt und den richtigen Nerv getroffen? Stößt meine Offenheit ihre Türen ein?
Sicher ist, dass solche Begegnungen vielen Menschen vorenthalten bleiben. Nur so kann ich es mir erklären, dass das Menschenbild des Durchschnittseuropäers von Misstrauen beherrscht wird. Die Mehrheit teilt die Kontakte ihres Lebens ein: In Freunde und in Dienstleister. Den Freunden traut man, den Dienstleistern gibt man Geld, damit sie etwas für einen tun.
Ich genieße es, immer von Neuem auf Reisen zu erfahren, dass es noch etwas dazwischen gibt. Fremde, denen man trauen kann, und Dienstleister, die statt Geld andere Währungen akzeptieren. Die sich emanzipieren von der eindimensionalen Weltsicht, man müsse für alles bezahlen, was man braucht. Die vom Dienstleister zum Verbündeten werden.
Zum Beispiel die Menschen, die Anhalter mitnehmen, die fremde Gäste beherbergen, diese Menschen haben Weitsicht und Herz. Sie macht es glücklich, zu geben, und sie erhalten im Gegenzug Inspiration, Freundschaft, Kontakte, schöne Momente. Ohne die korrumpierende Barriere Geldaustausch.
Diese Menschen sind reicher, die Begegnung mit ihnen ist reicher. Es erfüllt mich, sie zu treffen. Ich suche sie überall.
Beim Couchsurfen und Autostoppen finde ich sie leichter.

4Apr/100

Jazz pur

An Malagas Strandpromenade gibt es ein Konzert: Wie Musik für die Ohren.

2Apr/103

Karfreitag ungewaschen

Planlos durch Malaga, am Karfreitag Nachmittag. Wir suchen eine Unterkunft.
(Wem beim Zuhören langweilig wird, der konzentriere sich auf die Tröte)

Wir finden eine Unterkunft:

Hostal Costa Rica ist nur 50 Meter von der Route der Prozessionen entfernt und verwöhnt mit wohligem Ost-Charme:

  • Die Türen quietschen, die Betten sowieso
  • Die Tür des Gemeinschaftsklos hat kein Schloss
  • Die Gäste haben keine Eddings, daher benutzen sie Feuerzeuge, um ihre Namen an die Spülkästen ranzuvandalieren, die man mit einer knotigen Plastikschnur bedient
  • Lichtschalter und Blenden tragen Risse
  • Dem Fenster fehlt der Griff
  • Der Portier ist besoffen und spricht mit randvollem Mund
  • Der Stil und die Bettüberdecke sind aus den 50ern
  • Die Bettwäsche hat Brandlöcher
  • In der Gemeinschaftsbadewanne friert man nicht, ihr Rand ist mit Schamhaaren isoliert

Hostal Costa Rica
Calle Córdoba, 5
E-29001 Málaga (Málaga - Centro) (Málaga)
Telefono: +34 952213577

1Apr/107

Ja wo denn?

Auf der Suche nach einem geeigneten Ort zum Zeltaufstellen tappsen wir gut gelaunt und schlecht vorbereitet durch die Nacht.

31Mar/100

Quietsch-Knarz

Die Karwoche in Südspanien. Die angsterregenden Kapuzenträger, die prunkvollen Marien- und Jesus-Throne, die zehntausend Menschen, die für die Prozessionen der Semana Santa auf die Straße gehen. Das sind die Bilder, die in Reiseführern und Nachrichten kolportiert werden.

Zwischen Weihrauch und Weingummi

Wenn man ein paar Tage vor Ort ist, fällt einem mehr auf.

27Mar/101

Bocker Dilljo mit Karla Mares

Spanische Bars sind laut, geschäftig, fettig, dreckig, lebendig.
Dies bezeugt ein Tondokument direkt vom Rastro, dem Flohmarkt und Sonntags-Lebensmittelpunkt der Hauptstadtbevölkerung. Wir integrieren uns voller Elan mit ein paar Bier und dem vierten Tintenfischbrötchen.

26Mar/103

Offene Menschen: Yulian

"Nee, das lohnt sich, dann kommst du ein Stückchen weiter, und die Tanke ist wirklich sehr belebt, richtig viele LKW und so!"
Das Mädchen mit dem bunt bemalten Bus gehört zur zweiten Sorte Feind. Der erste Feind des Anhalters ist der, der es böse mit einem meint. Diese Sorte Feind ist sehr selten.
Der zweite Feind des Anhalters ist der, der es gut mit einem meint. Zu gut.