Mein System, dein System
Helmut Willke ist Professor für "Global Governance" und Systemtheoretiker. Im brand eins-Interview ("Stochern im Nebel") spricht er sich für eine Erneuerung politischer Planungssyteme und ein neues Verhältnis zu Problemen aus.
Sommer
Ich kann mich noch genau an dieses Gefühl erinnern, das nach jedem Schuljahr stärker wurde. Überwältigende Erleichterung über die aufkommende Freiheit, getrübt von Verzweiflung über die Ratlosigkeit, wie, mit wem, wo und mit welchem coolen Verhalten diese Freiheit jetzt gleich gebührend gefeiert werden soll.
Schrieb ich letzten Sommer, als ich die jungen Leute in die Ferien ausbrechen sah.
Diesen Sommer, am heutigen Tage, habe ich die letzte Klausur des Semesters erfolgreich hinter mich gebracht und sehe bis Anfang Oktober keiner einzigen von aussen aufgedrückten Verpflichtung ins Auge.
Äh, gutes Wetter, ne?
Handy- und Festnetz-Daten von Millionen von Menschen haben britische Wissenschaftler ausgewertet, um zu folgendem Schluss zu kommen: Ein vielseitiger Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen sozialen Umständen führt, statistisch gesehen, eindeutig zu mehr ökonomischem Reichtum. Das berichtet Telepolis im Artikel "Der Unterschied macht den Unterschied".
Also Leute! Runter vom Sofa! Kontaktaufnehmen zum Nachbarn! Im Park den Penner ansprechen! Auf Reisen gehen! Bei Couchsurfing anmelden! Eine Party veranstalten und *alle* einladen! Es lohnt sich!
Beweg’ dein’ Arsch
Eigentlich beginnt es ziemlich scheiße, das Wochenende.
Von der hunderttausendsten Erasmus-Haus-Party am Freitag verdrücke ich mich zwar zügig, aber die Uhr zeigt trotzdem schon zwei, als ich mich schlafen lege.
Vier Stunden später klingelt der Wecker, ich packe meine Sachen, ziehe die Wanderschuhe an, und fahre mit dem Fahrrad zwanzig Minuten in den Vorort.
Sicheres kleines Pamplona
Ich sitze im Subsuelo, dem dienstäglichen Stammlokal, und lausche den Wogen des Saxofons. Den Euphorie- und Ruhe-Wogen des Saxofons. Den Euphorie- und Ruhe-Wogen von Saxofon, Keyboard, Schlagzeug, Trompete, Bass und Gitarre. Ich lausche der improvisierten Klangharmonie der Jazz-Jamsession und denke: "Wie gut, dass Pamplona so klein ist. Wie gut, dass ich mir um meine Jacke keine Sorgen machen muss," die fünf Meter schräg hinter mir unbewacht unter zwei anderen Jacken auf einem Barhocker liegt.
Jasmine
Es passt mir überhaupt gar kein Bisschen in den Kram. Nicht einen Deut. Zum völlig falschen Zeitpunkt bittet Jasmine um Obdach - eine halbe Woche vor den Semester-Abschlussklausuren.
Jasmine hat ein karges couchsurfing-Profil mit einem neutralen Foto. Sie ist Neuseeländerin.
Sie schreibt, dass sie in der Schweiz gestartet ist und nach Portugal will. Über den Jakobsweg. Auf dem Fahrrad.
Autos wie Züge
Der erste Feldversuch vom CVIS verleiht der Vision, Autos untereinander elektronisch zu vernetzen, Aufschwung. CVIS steht für "Cooperative Infrastructure Vehicle Systems": Vernetzte Autos tauschen untereinander und mit vernetzten Straßen Daten aus.
Ohne Ampel, ohne Stau
Diese neue Infrastruktur könnte in mittlerer Zukunft Ampeln überflüssig machen und Staus vorbeugen. Viel interessanter finde ich aber die Kombination mit den Fahrer-Assistenz-Systemen. Ihr Ausbau könnte den Fahrer überflüssig machen.
Wider dem psychologischen Vertragsbruch!
Meike Winnemuth spricht mir aus der Seele. In ihrem treffend betitelten Artikel "Re: " aus dem SZ-Magazin beschreibt sie den Sittenverfall beim Termineinhalten, der auf moderne Kommunikationsmittel zurückgeht.